Zwischen historischen Büchern, vergilbten Fotografien und sorgsam archivierten Dokumenten erzählt Augustin Kloiber Geschichten aus einer anderen Zeit. Und öffnet damit nicht nur die Tür zu 150 Jahren Sommerfrische am Wolfgangsee, sondern noch viel weiter zurück.
„Viele glauben, dass der Tourismus im Salzkammergut mit der Sommerfrische begonnen hat. Dabei war der Wolfgangsee schon im Mittelalter ein extrem wichtiges Reiseziel “, erzählt Kloiber. Bereits im 14. Jahrhundert hätten sich Tausende Menschen auf den Weg gemacht, um St. Wolfgang, die Wirkungsstätte des Heiligen Wolfgang zu besuchen. „Man muss sich vorstellen: Die Dörfer hatten zu dieser Zeit vielleicht 100, 120 Einwohner:innen – und plötzlich kamen im Sommer 80.000 Menschen, die alle untergebracht und versorgt werden mussten“, berichtet der leidenschaftliche Hobby-Historiker.
Der Wallfahrtsort galt damals als einer der bedeutendsten Europas. Lediglich Rom, Santiago de Compostela und Aachen seien noch größer gewesen, erzählt Kloiber – danach habe bereits St. Wolfgang gezählt. Oft nahmen die Pilger:innen wochen- und tagelange, beschwerliche Wege auf sich, um nach St. Wolfgang zu kommen und die wundersamen und heilsamen Orte zu besuchen: „Die Leute wollten sehen, wo der Heilige Wolfgang gesessen ist, wo er gepredigt hat oder wo seine Hacke zu Boden gefallen ist. Sie wollten Wasser von der Wolfgangsquelle am Falkenstein, wo der Bischof von Regensburg der Legende nach seinen Stab in den Fels geschlagen hat, um seinen durstigen Begleiter mit frischem Wasser zu versorgen“, berichtet Kloiber.
Rund um diese Geschichten entstand über Jahrhunderte eine regelrechte Pilgerkultur – inklusive erster Souvenirs. Besonders beliebt waren die sogenannten „Wolfgangiflascherl“, die mit dem glasklaren angeblich Augenleiden heilenden Wasser vom Falkenstein gefüllt wurden. „Einige dieser Flaschen haben wir sogar im Archiv“, meint Kloiber. Für ihn ist klar: „Das war schon früher Tourismus – nur eben mit religiösem Hintergrund.“